Im Laufe der Evolution hat unser Körper ein kompliziertes, für uns meist unbemerktes und gut funktionierendes Abwehrsystem gegen Erreger wie Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten aufgebaut. Bestimmte Krankheiten können jedoch nur schlecht oder gar nicht eingedämmt werden.
An AIDS, Malaria oder Tuberkulose sterben jedes Jahr viele Millionen Menschen, einen verträglichen Impfstoff dagegen gibt es leider noch nicht. Eine mögliche Therapie ist aufwendig, sehr kostspielig und führt nicht immer zum Erfolg.

Es gibt einige Krankheiten, die auch in Deutschland noch vor wenigen Jahrzehnten schwere und z. T. tödliche Verläufe zeigten. Ein modernes Impfstoffmanagement sorgte aber dafür, dass diese Infektionen insbesondere in den Industrieländern zurück gedrängt werden konnten.

Tetanus (Wundstarrkrampf) ist eine lebensgefährliche Krankheit, deren Erreger durch kleinere Schnitt-, Riss-, Biss- oder Schürfwunden sowie offene Ekzeme und Verbrennungswunden in die Haut gelangen, sich dort vermehren und das krank machende Gift bilden. Kennzeichnend für das schwere Krankheitsbild sind Muskelkrämpfe unter anderem der Atemmuskulatur, wodurch es zu Erstickungsanfällen kommt. Trotz moderner Behandlungsmethoden liegt die Sterblichkeit ungeimpfter Tetanuskranker noch immer bei mehr als 30 Prozent. Den einzig sicheren Schutz vor Wundstarrkrampf bietet die vorbeugende Impfung.

Diphtherie ist eine durch das Gift des Diphtheriebakteriums hervorgerufene lebensbedrohende Krankheit, die vorwiegend durch Tröpfcheninfektion mit der Atemluft übertragen wird. Die als Rachen-, Kehlkopf-, Nasen- und Wunddiphtherie auftretende Infektion war vor Einführung der Impfung eine der gefürchteten Erkrankungen im Kindes- und Erwachsenenalter, mit vielen Toten oder Herzmuskelschäden. Durch hohe Impfraten hat die Diphtherie in Deutschland bis auf wenige Erkrankungen keine Bedeutung mehr, sie ist jedoch weltweit, besonders in einigen osteuropäischen Ländern, weiterhin eine Gefahr.

Die Kinderlähmung (Polio) ist eine Viruskrankheit, die zu Lähmungen der Arme, Beine und der Atmung sowie zum Tod des Erkrankten führen kann. Der Name Kinderlähmung ist insofern irreführend, da auch Erwachsene daran erkranken. Seit bestehen der Schutzimpfung gingen die Krankenzahlen ständig zurück, und hierzulande werden keine Erkrankungen an Kinderlähmung mehr beobachtet. Jedoch kann die Poliomyelitis von ungeimpften Reisenden aus Ländern eingeschleppt werden, in denen die Krankheit auch heute noch weit verbreitet ist, zum Beispiel verschiedene Länder Asiens und Afrikas.
Die Hämophilus influenza Erkrankung ist eine der schwersten bakteriellen Infektionen in der Neugeborenen- und Kindergartenzeit. Der nur von Mensch zu Mensch übertragene Erreger findet sich vor allem auf den Schleimhäuten der oberen Atemwege und wir über Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt übertragen, die Inkubationszeit liegt dabei zwischen zwei und fünf Tagen. Die Krankheit beginnt als fieberhafte Infektion des Nasenrachenraums, kann dann aber eine Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündung, eine Bronchitis und/oder eine Lungenentzündung hervorrufen. Eine schwerwiegende Komplikation ist die eitrige Hirnhautentzündung, an der 60 bis 90 Prozent der Erkrankten ohne Behandlung sterben. Etwa fünf Prozent der Kinder sind nach einer Hib-Hirnhautentzündung körperlich und geistig schwerstbehindert.

Keuchhusten gehört zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten im Säuglingsalter und wird durch Bordetella pertussis hervorgerufen. Die Übertragung erfolgt per Tröpfcheninfektion und verursacht anfangs (ca. 10 Tage lang) Schnupfen, manchmal einer Bindehautentzündung und einem meist nachts auftretenden Krampfhusten. Während dieser Zeit besteht eine hohe Ansteckungsgefahr Das typische Krankheitsbild zeigt anschließend mit heftigen bellenden, stakkatoartigen Hustenstößen und anschließend ziehendem und keuchendem Einatmen. Diese Hustenanfälle wiederholen sich in kurzen Abständen und enden mit dem Entleeren eines zähen glasigen Schleims, häufig auch mit Erbrechen. Bei Säuglingen können lebensbedrohende Atemstillstände auftreten. Bedrohlich ist Keuchhusten auch wegen schwerwiegender Komplikationen wie Lungenentzündung, Mittelohrvereiterung und Gehirnentzündung.

Windpocken (Varizellen) sind eine weltweit verbreitete, durch Viren per Tröpfcheninfektion übertragene Krankheit. Etwa zwei Wochen nach der Ansteckung tritt der typische, zumeist mit Fieber einhergehende Hautausschlag auf. Werden die Pocken aufgrund des starker Juckreizes aufgekratzt, dann kann es zu Narben kommen. Nach dem Abheilen verbleiben die Viren im Körper und können vor allem im höheren Lebensalter oder bei Abwehrschwäche wieder aktiv werden und Gürtelrose (Zoster, Herpes Zoster) hervorrufen. Erwachsene mit Gürtelrose können Windpocken auf Ungeschützte übertragen, während umgekehrt ein windpockenkrankes Kind keine Infektionsquelle für eine Gürtelrose darstellt. Schwerwiegende Komplikationen bei Windpocken wie eine Gehirn- oder Lungenentzündung sind selten. Bei Infektionen bis zur 20. Schwangerschaftswoche können schwere Fehlbildungen beim Ungeborenen auftreten. Erkrankt die Mutter um den Geburtstermin, können Windpocken beim Neugeborenen lebensbedrohlich verlaufen..

Masern werden auch heute noch von vielen als harmlose Kinderkrankheit angesehen, dabei werden sie von einer Reihe schwerwiegender Komplikationen bis hin zum Tod begleitet. Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion und es werden vor allem die Schleimhäute des Atemtraktes und der Augen befallen. Typisch für das Krankheitsbild ist zunächst hohes Fieber, dazu kommt Abgeschlagenheit, bellender krampfhafter Husten, Schnupfen und eine Bindehautentzündung. Nach ein bis zwei Tagen fällt das Fieber ab, steigt aber am nächsten Tag erneut. Innerhalb von drei Tagen bildet sich unter Anstieg des Fiebers ein roter, kleinfleckiger Hautausschlag, der an manchen Stellen ineinander fließt. Nach Erreichen der Füße beginnt die Temperatur zu sinken. Als Komplikation gefürchtet ist neben Lungen- oder Mittelohr- oder Kehlkopfentzündung vor allem die Gehirnentzündung (Masern-Enzephalitis), manchmal verbunden mit einer Hirnhautentzündung (Masern-Meningoenzephalitis). Mehr als 20 Prozent der Kinder mit Gehirnentzündung sterben daran. Überlebende tragen oftmals dauerhafte Schäden davon.

Mumps, im Volksmund auch Ziegenpeter genannt, ist eine ansteckende Virusinfektion der Speicheldrüsen, vor allem der Ohrspeicheldrüse. Auch die Bauchspeicheldrüse oder die Geschlechtsdrüsen sowie die Hirnhäute (Mumps-Meningitis) können vom Virus befallen werden. Typische Komplikationen sind eine Hörstörung, bei Jungen und Männern entzündete Hoden und bei jungen Mädchen und Frauen Eierstockentzündungen.

Die Röteln gehören zu den klassischen Kinderkrankheiten und werden direkt von Mensch zu Mensch übertragen. Das Krankheitsbild zeigt Zeichen einer harmlosen Erkältung: mit leichtem Fieber, Schnupfen, Kopfschmerzen, in manchen Fällen Gelenkschmerzen mit Gelenkentzündungen, einem typischen Anschwellen der Lymphknoten an Hals und Nacken sowie einem Hautausschlag mit blassen rosaroten Flecken. Insbesondere ungeschütze Schwangere gefährden ihe Leibesfrucht bei einer Infektion.

Pneumokokken -Infekte werden durch Bakterien verursacht und können neben Lungenentzündungen insbesondere bei kleinen Kindern Hirnhautentzündungen hervorrufen. Zwar können diese Infekte mit Antibiotika behandelt werden, doch gibt es zunehmende Resistenzen, so dass die Therapie nicht mehr anschlägt und es zu bleibenden Schäden, ggf. auch zum Tode kommt.

Die Influenza oder Grippe ist eine akute Viruskrankheit, die durch Tröpfcheninfektion, also durch Niesen oder Husten übertragen wird. Deshalb breitet sie sich insbesondere dort aus, wo viele Menschen auf kleinem Raum versammelt sind (Arbeitsstätten, Schulen oder Kaufhäusern). Die Krankheit plötzlich mit starkem Krankheitsgefühl, Schnupfen, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen. Anschließend setzt Fieber mit Temperaturen von 39 bis 40 Grad Celsius mit einem charakteristischer trockener Husten ein. Die Komplikationen der echten Grippe sind akute Herz- und Kreislaufschwächen, Herzmuskelentzündungen sowie bakterielle Infektionen, die in schlimmen Fällen innerhalb weniger Tage zum Tod führen können. Sehr gefährdet sind immunschwache Menschen (Säuglinge, alte Menschen und Risikopatienten). Die echte Virusgippe tritt im Winterhalbjahr als mehrere Wochen andauernde starke Häufung von Grippe-Erkrankungen auf. ,

Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine Viruskrankheit, die durch Zecken auf den Menschen übertragen wird und mit einer fieberhaften Erkrankung unter Beteiligung der Hirnhäute (Hirnhautentzündung, Meningitis), in schweren Fällen aber auch des Gehirns und Rückenmarks einhergehen kann. Zwar erkranken nur etwa 10 Prozent derjenigen, die sich infiziert haben, auch an FSME. Doch bleiben bei etwa 10 bis 30 Prozent dieser Erkrankten Dauerschäden am Zentralnervensystem (wie Lähmungen) zurück; etwa ein Prozent der Erkrankten - vor allem ältere Menschen - sterben sogar an den Folgen der Erkrankung. Vor der Erkrankung schützt nur die rechtzeitig und vollständig durchgeführte FSME-Impfung, da es keine medikamentösen Behandlungsmethoden gibt.

Hepatitis A wird durch Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus (HAV) hervorgerufen und verursacht Gelbsucht. Dieser Krankheitserreger wird mit dem Stuhl eines infizierten Menschen ausgeschieden und kann sowohl durch Schmierinfektion als auch über verunreinigtes Trinkwasser oder Nahrungsmittel übertragen werden.
Hepatitis A ist in den vergangenen Jahrzehnten in den meisten Industrieländern zu einer seltenen Krankheit geworden. In verschiedenen europäischen Mittelmeerländern sowie in zahlreichen tropischen und subtropischen Ländern ist Hepatitis A jedoch gegenwärtig. Deshalb ist es sinnvoll, sich vor Reisen in diese Länder durch eine Hepatitis-A-Schutzimpfung zu schützen. Außerdem sollten bestimmte Personengruppen in Deutschland aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit geschützt werden (Kanalarbeiter, medizinisches Personal usw.).

Auch die Hepatitis B ist eine Leberentzündung (Gelbsucht), die durch Infektion mit dem Hepatitis-B- Virus (HBV) hervorgerufen wird, welcher durch Blut oder Körperflüssigkeiten eines infizierten Menschen (z.B. beim Geschlechtsverkehr) übertragen wird.Die Symptome einer Hepatitis B sind Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit, danach kann es zu einer Gelbsucht kommen. Etwa 1 Prozent der Erkrankten stirbt, bei etwa 10 Prozent wird die Erkrankung chronisch, bei ihnen bleibt das Virus im Körper. Es muss jedoch nicht immer bei Infektion mit dem Hepatitis B Virus zu Krankheitssymptomen kommen, so dass diese chronisch Infizierten eine Infektionsquelle für ihre Umgebung darstellen. In Deutschland sind etwa 0,7 bis 1 Prozent der Bevölkerung mit HBV chronisch infiziert, in anderen Ländern - z.B. in afrikanischen und asiatischen Ländern - ist die Häufigkeit chronisch Infizierter wesentlich höher.

Humane Papillomviren (HPV) sind weltweit stark verbreitet und infizieren Haut- oder Schleimhautzellen. Sie verursachen gutartige, aber auch bösartige Tumoren. So sind die HPV-"Hochrisisko- Typen" 16 und 18 für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs hauptverantwortlich (ca. 75 Prozent der Fälle). Die Viren werden durch direkten oder indirekten Hautkontakt - vornehmlich beim Geschlechtsverkehr - übertragen.
In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 6.500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, fast 1.700 sterben daran (Quellen: GEKID 2006, Statistisches Bundesamt 2006). Ein Großteil aller Frauen macht im Laufe ihres Lebens - oft unbemerkt - eine HPV-Infektion durch. In den meisten Fällen besiegt das Immunsystem die Erreger, sollten die Viren aber im Körper bleiben, so kann sich im Laufe von mehreren Jahren Krebs entwickeln.

In Deutschland wägen Experten der ständigen Impfkommission (STIKO) zwischen den Gefahren einer Krankheit und den minimalen Risiken einer Impfung ab und geben dies Empfehlungen an die Ärzteschaft weiter.
In unserer Praxis halten wir und an die Vorgaben der STIKO und werden dabei durch eine moderne, in unsere Praxis EDV eingebaute Impf-Software (ImpfDoc ®) unterstützt.

Sollten Sie Fragen zu Impfungen gleich welcher Art (Reisimpfungen, Arbeitsschutzimpfungen usw.) haben, dann wenden Sie Sich an unser Praxisteam. Gerne können Sie auch kostenlos Ihren Impfpass zur Durchsicht in der Praxis abgeben.


Dres. med. Hense - Isenacker 12 - 59494 Soest